Eine Woche voller Bewegung, Begegnung und neuer Erfahrungen: Nach dem erfolgreichen Austausch im Jahr 2025 konnte die JBS erneut Schülerinnen und Schüler einer norwegischen Sportschwerpunktschule aus Trysil im Rahmen des Erasmus+- Programms begrüßen. Im Mittelpunkt des diesjährigen Austauschs stand das sporttheoretische Thema „Sport und Gesellschaft – Sport mit Behinderung und Inklusion“.

Gemeinsam Sport erleben - Grenzen überwinden
Die Begegnungswoche verband sportliche Aktivitäten, Unterricht, kulturelle Erfahrungen und die intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Inklusion. Die Schülerinnen und Schüler erprobten unterschiedliche Sportarten, mit denen viele von ihnen zuvor noch keine Erfahrungen gemacht hatten. Dabei ging es nicht nur um Bewegung und sportliche Leistung, sondern auch um Vertrauen, Kommunikation, Teamarbeit, Verantwortung und den Umgang mit ungewohnten Situationen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Blindenfußball sowie auf der gemeinsamen Planung und Durchführung eines Sporttages für Schülerinnen und Schüler mit geistigen und motorischen Behinderungen der Heideweg Schule aus Appen. So wurde Inklusion nicht nur theoretisch behandelt, sondern unmittelbar erlebt und praktisch umgesetzt.
Montag – Wasserski und gemeinsamer Auftakt
Nach der späten Anreise am Sonntagabend startete das Austauschprogramm am Montag mit einem gemeinsamen Besuch der Wasserskianlage in Pinneberg. Für viele der Jugendlichen war die Sportart auf dem Wasser völlig neu. Sie mussten sich auf eine ungewohnte Bewegungsform einlassen, Risiken einschätzen und Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen.
Gleichzeitig bot die Aktivität die Möglichkeit, gemeinsam draußen in der Natur aktiv zu sein. Das Erleben eines unbekannten Elements förderte Mut, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.



Am Abend fand im Innenhof der JBS ein gemeinsames Welcome Dinner mit Familien und Freunden statt. Auch die Erasmus-Gruppe aus Portugal, die zeitgleich in Pinneberg zu Gast war, nahm an der Begegnung teil. Bei Essen und Gesprächen stand zunächst das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt. Der Abend bot einen gelungenen Einstieg in die interkulturelle Begegnung.
Dienstag – Schule, Inklusion und Blindenfußball
Der Dienstag begann mit einem gemeinsamen Schulbesuch. Anschließend bereiteten die Schülerinnen und Schüler den Sporttag für die Heideweg Schule vor. Mithilfe der Methode „Think – Pair – Share“ sammelten sie zunächst eigene Ideen und Erfahrungen zum Thema und tauschten diese anschließend in Partner- und Gruppenarbeit aus.
Dabei beschäftigten sie sich insbesondere mit der Frage, wie die Stationen und Disziplinen für die Abnahme des Sportabzeichens gestaltet werden müssen, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen motorischen und geistigen Voraussetzungen diese erfüllen können. Auf Grundlage des Austauschs entwickelten die Gruppen konkrete Aktivitäten, Abläufe und Strategien für den Sporttag.
Am Abend folgte eine besondere sportliche Erfahrung im Blindenzentrum Hamburg. Gemeinsam mit Trainer Wolf Schmidt und blinden Spielerinnen und Spielern seiner Mannschaft vom FC St. Pauli erprobten die Jugendlichen Blindenfußball.
Ohne den Sehsinn mussten sich die Schülerinnen und Schüler vollständig auf ihre anderen Sinne verlassen. Eine klare und verlässliche Kommunikation mit den Mitspielerinnen und Mitspielern sowie mit den jeweiligen Guides war dabei entscheidend. Vertrauen, räumliche Orientierung und gegenseitige Unterstützung wurden so unmittelbar erfahrbar.
Im Anschluss an die praktische Einheit gab es eine Gesprächs- und Fragerunde mit den Spielerinnen und Spielern. Dabei wurde deutlich, welche besonderen Anforderungen der Blindenfußball an Orientierung, Kommunikation, Wahrnehmung und sportliche Fähigkeiten stellt.

Mittwoch – Padel, Fußball und Fahrradtour
Am Mittwoch stand mit Padel eine moderne Trendsportart auf dem Programm. Für einen großen Teil der Gruppe war dies der erste Kontakt mit dem Spiel. Neben der körperlichen Fitness wurden insbesondere Koordination, Beweglichkeit, Gleichgewicht und technische Fähigkeiten gefördert.
Gleichzeitig verlangte das Spiel taktisches Denken, schnelle Entscheidungen und eine gute Kommunikation im Team. Die Jugendlichen mussten sich auf unterschiedliche Spielsituationen einstellen und lernten dabei, ihre Strategie flexibel anzupassen. Konzentration, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und Fairness waren weitere wichtige Erfahrungen.

Im Anschluss besuchte die Gruppe das U21-Regionalligaspiel zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. Der Besuch knüpfte inhaltlich an die Erfahrungen des Blindenfußballs an. Die Jugendlichen konnten zwei unterschiedliche Formen des Fußballs vergleichen und dabei insbesondere die Bedeutung von Kommunikation, Teamarbeit, Raumwahrnehmung, Entscheidungsfindung und taktischem Verhalten beobachten.
Der direkte Vergleich regte dazu an, über die Rolle des Sehens und anderer Sinne im Sport sowie über Barrierefreiheit, Anpassungsfähigkeit und Inklusion nachzudenken.

Eine gemeinsame Fahrradtour führte die Gruppe anschließend durch das Umland von Pinneberg und Wedel. Dabei lernten die norwegischen Gäste die Landschaft und die nähere Umgebung kennen, während die JBS-Schülerinnen und -Schüler als Gastgeber ihr Wissen über die Region weitergaben.
Neben Orientierung, Verkehrssicherheit und Ausdauer standen auch Teamarbeit und Kommunikation im Mittelpunkt. Die gemeinsame Tour stärkte die Selbstständigkeit und das Umweltbewusstsein und bot zugleich Raum für Gespräche und persönlichen Austausch.
Donnerstag – Inklusion praktisch erleben
Am Donnerstag wurde es konkret: Die am Dienstag entwickelten Ideen wurden beim Sporttag im Stadion mit der Heideweg Schule in die Praxis umgesetzt. Die Schülerinnen und Schüler übernahmen Verantwortung für die Organisation, Anleitung und Durchführung verschiedener sportlicher Aktivitäten zur Abnahme des Sportabzeichens.
Dabei mussten die zuvor entwickelten Angebote an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst werden. Sicherheit, verständliche Kommunikation und eine aktive Beteiligung aller standen im Mittelpunkt. Die Jugendlichen sammelten dabei wertvolle Erfahrungen in den Bereichen Organisation, Führung, Problemlösung, Flexibilität und Empathie.
Besonders deutlich wurde, dass Inklusion im Sport bedeutet, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass möglichst alle Menschen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen teilnehmen und sportliche Erfahrungen sammeln können und sich gesehen fühlen. Im Anschluss an den Sporttag kam es noch zu einem spontanen gemeinamen Fußballspiel.
Am Nachmittag nahm die Gruppe gemeinsam am Schulfest der JBS teil. In einer offenen und ungezwungenen Atmosphäre konnten die Jugendlichen ihre interkulturellen Erfahrungen vertiefen, gemeinsam aktiv sein und den Austausch mit weiteren Schülerinnen und Schülern der Schule fortsetzen.
Freitag – Schule und Hamburg entdecken
Der Freitag begann mit gemeinsamem Unterricht. Die norwegischen Gäste erhielten dabei einen Einblick in den Schulalltag ihrer Austauschpartnerinnen und -partner und konnten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Schulsysteme kennenlernen.
Anschließend ging es gemeinsam nach Hamburg. Bei der Besichtigung ausgewählter Sehenswürdigkeiten lernten die Gäste die Geschichte, Kultur und Besonderheiten der Stadt kennen. Die gemeinsamen Erlebnisse boten erneut zahlreiche Gelegenheiten für Gespräche, kulturellen Austausch und das Kennenlernen unterschiedlicher Perspektiven.
Wochenende – Zeit mit den Gastfamilien
Am Samstag verbrachten die norwegischen Schülerinnen und Schüler Zeit mit ihren Gastfamilien. Diese individuelle Zeit war ein wichtiger Bestandteil des Austauschs und ermöglichte weitere persönliche Begegnungen außerhalb des offiziellen Programms.
Am Sonntag hieß es schließlich Abschied nehmen: Die norwegische Gruppe trat die Rückreise nach Trysil an. Nach einer intensiven Woche voller gemeinsamer sportlicher Erfahrungen, neuer Begegnungen und vielfältiger Eindrücke ging damit ein weiterer gelungener Erasmus+-Austausch zu Ende.
Gemeinsam lernen – über den Sport hinaus
Der Norwegenaustausch hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielseitig Sport als verbindendes Element sein kann. Die Jugendlichen lernten neue Sportarten kennen, stellten sich ungewohnten Herausforderungen und sammelten wertvolle Erfahrungen in Teamarbeit, Kommunikation und Selbstständigkeit.
Besonders die Auseinandersetzung mit Blindenfußball und die Durchführung des Sporttages an der Heideweg Schule machten Inklusion unmittelbar erfahrbar. Die Schülerinnen und Schüler konnten nicht nur theoretisch über unterschiedliche Voraussetzungen sprechen, sondern selbst erleben, wie Sportangebote angepasst und gemeinsam gestaltet werden können.
Darüber hinaus stärkte die Begegnung die interkulturelle Kompetenz aller Beteiligten. Gemeinsamer Unterricht, sportliche Aktivitäten, Ausflüge und das Leben in den Gastfamilien schufen zahlreiche Möglichkeiten, voneinander zu lernen und neue Freundschaften zu schließen.
Sport verbindet – unabhängig von Herkunft, Sprache oder individuellen Voraussetzungen. Der Austausch zwischen der JBS und der norwegischen Sportschwerpunktschule aus Trysil verband Bewegung, Bildung, Inklusion und interkulturelles Lernen.
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