Im Rahmen des WPU Europa 1 und des eTwinning-Projekts „Shared Memories, Shared Future“ machten sich Schülerinnen und Schüler unserer Schule vom 18. bis 23. Mai 2026 auf den Weg nach Warschau. Die Erasmus+ Mobilität führte uns in die polnische Hauptstadt; eine Stadt, die uns mit ihrer bewegenden Geschichte, ihrer modernen Atmosphäre und ihrer Offenheit nachhaltig beeindruckt hat.
Bereits am frühen Montagmorgen begann unsere Reise mit dem Treffen am Pinneberger Bahnhof um 5:45 Uhr. Die Fahrt erfolgte als „Green Travel“ mit dem Zug. Trotz fehlender Klimaanlage und sommerlicher Temperaturen wurde die lange Fahrt schnell kurzweilig: Gemeinsam mit Schülern einer Schule aus Nordrhein-Westfalen entstanden viele Gespräche und neue Bekanntschaften, sodass die Zeit wie im Flug verging. Gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich Warschau und unser Hostel im Stadtteil Wola. Der Bezirk verbindet moderne Hochhäuser und Bürogebäude mit Orten der Erinnerung und zeigt eindrucksvoll, wie sich Warschau in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Am Dienstag erwartete uns eine vierstündige Stadtführung mit unserem Guide Marek, der die Tour eigens für unsere Gruppe vorbereitet und unseren thematischen Wünschen angepasst hatte. Besonders eindrucksvoll waren die Einblicke in die Geschichte Warschaus während des Zweiten Weltkriegs. Wir erfuhren viel über das jüdische Ghetto, die Zerstörung der Stadt und den Wiederaufbau nach dem Krieg. Durch Mareks Erzählungen wurde deutlich, wie eng die Geschichte Warschaus mit Fragen von Erinnerung, Verantwortung und Identität verbunden ist, Themen, die auch im Zentrum unseres eTwinning-Projekts stehen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir die Stadt in Kleingruppen. Viele von uns waren überrascht, wie modern und lebendig Warschau ist: Große Einkaufsstraßen, beeindruckende Architektur, viel Grün und eine dynamische Innenstadt prägten unsere Eindrücke.

Am Mittwoch besuchten wir die Herbert High School. Da dort im Gebäude gerade die Abschlussprüfungen stattfanden, konnten wir zwar nicht am Unterricht teilnehmen, bekamen aber dennoch einen guten Eindruck von der modernen Schule, die in einer grünen Umgebung liegt. Wir hoffen sehr, dass aus diesem Besuch eine langfristige Partnerschaft entstehen wird.

Anschließend stand das POLIN-Museum, das Museum der Geschichte der polnischen Juden, auf dem Programm. Die Ausstellung vermittelte eindrucksvoll die jahrhundertelange Geschichte jüdischen Lebens in Polen. Direkt vor dem Museum befindet sich außerdem das Denkmal der Helden des Ghettos; jener Ort, an dem Willy Brandt 1970 seinen berühmten Kniefall zeigte.

Am Abend ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Essen in einem traditionellen polnischen Restaurant ausklingen. Für viele waren die Pierogi ein kulinarisches Highlight der Reise.

Eigentlich wollten wir am Donnerstag das Pawiak-Gefängnismuseum besuchen. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass das Museum an diesem Tag geschlossen war, ein Zettel an der Tür informierte uns darüber. Kurzerhand änderten wir unsere Pläne und fuhren gemeinsam mit der Straßenbahn an die Weichsel. Dort nutzten wir die Zeit, um unsere bisherigen Eindrücke zu reflektieren. Besonders spannend war die Erkenntnis, dass Geschichte immer auch von Perspektiven abhängt: Die Darstellungen in Museen unterschieden sich teilweise deutlich von den persönlichen Erzählungen unseres Stadtführers Marek. Diese Erkenntnisse passten zu unserem Projektthema „Shared Memories, Shared Future“, bei dem wir schon bei der Pinneberger Recherche und bei unserer Mobilität nach Spanien zum gleichen Schluss kamen. Am Abend gingen wir gemeinsam Ramen essen und genossen die entspannte Atmosphäre der Stadt.
Ein weiterer Höhepunkt war am Freitag der Besuch des Museums des Warschauer Aufstandes. Die multimediale Ausstellung machte die Ereignisse des Jahres 1944 auf eindrucksvolle Weise erfahrbar und zeigte den Mut und die Verzweiflung der Menschen während des Aufstandes. Danach verbrachten wir den Nachmittag bei bestem Wetter im Łazienki-Park, wo wir gemeinsam picknickten. Ein Spaziergang zum Königsschloss und durch die wunderschöne Altstadt, die nach ihrer Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs vor gerade einmal 70 Jahren wieder neu aufgebaut wurde, rundete den Tag ab. Natürlich durfte auf dem Rückweg zum Hostel auch ein Eis bei Sonnenschein nicht fehlen.

Am Samstag hieß es schließlich Abschied nehmen. Die Rückfahrt verlief nicht ganz ohne Aufregung: Wegen einer Verspätung unseres Zuges aus Warschau drohten wir in Berlin den ICE zu verpassen. Mit einem gemeinsamen Sprint erreichten wir den Anschlusszug jedoch gerade noch rechtzeitig.
Die Erasmus+ Mobilität nach Warschau war für uns weit mehr als eine Klassenfahrt. Sie hat uns gezeigt, wie wichtig europäischer Austausch, gemeinsames Erinnern und internationale Begegnungen sind. Warschau hat uns mit seiner Geschichte, seiner Vielfalt und seiner beeindruckenden Entwicklung begeistert. Gleichzeitig sind wir sehr dankbar für die Möglichkeit, diese Erfahrungen im Rahmen von Erasmus+ machen zu dürfen. Die Reise wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben.
