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Im Rahmen des Erasmus+-Programms reiste unsere Schülergruppe Ende Januar 2026 zu einem Austausch nach Spanien und verbrachte eine intensive Woche in Mérida. Bereits die Anreise stellte für viele ein besonderes Erlebnis dar: Mit Flugzeug und Zug ging es über Madrid bis in den Südwesten des Landes, wo die Schülerinnen und Schüler nach 17 Stunden Reisezeit von ihren Gastfamilien aufgenommen wurden. Die vielfältigen Wege der Fortbewegung wurden dabei selbst zu einem Teil der Erfahrung.

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Vor Ort erwartete die Gruppe nicht nur ein abwechslungsreiches Programm, sondern auch ein Rechercheauftrag, der sich mit Spaniens Geschichte und Erinnerungskultur beschäftigte. Die Schülerinnen und Schüler gingen dabei unter anderem der Frage nach, welche Rolle Spanien im Zweiten Weltkrieg spielte und wie diese heute im öffentlichen Raum thematisiert wird. Schnell wurde deutlich, dass Spanien offiziell neutral war, zugleich aber enge ideologische und politische Verbindungen zwischen dem Franco-Regime und dem nationalsozialistischen Deutschland bestanden. In Gesprächen und während der Stadtführung zeigte sich, dass diese Aspekte der Geschichte im heutigen Spanien nur begrenzt sichtbar sind und keinen großen Raum in der Schule einnehmen. Eine Schülerin hielt dazu fest: „Ich war überrascht, dass man so wenig über den Zweiten Weltkrieg hört, obwohl es ja Verbindungen gab.“

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Auch die Auseinandersetzung mit der Franco-Diktatur spielte während der Woche eine zentrale Rolle. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten, dass diese durch autoritäre Herrschaft, Repression und massive Menschenrechtsverletzungen geprägt war. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Umgang mit dieser Vergangenheit in Spanien bis heute nicht einheitlich ist. Während es durchaus Denkmäler, Gedenkorte und politische Initiativen zur Aufarbeitung gibt, bleibt die Erinnerung in vielen Bereichen zurückhaltend oder umstritten. Diese Beobachtungen konnten die Teilnehmenden direkt vor Ort bestätigen: Im Stadtbild von Mérida und auch während des Ausflugs nach Sevilla dominierten vor allem antike und mittelalterliche Spuren, während Ereignisse des 20. Jahrhunderts deutlich weniger präsent waren.

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Ein unerwarteter Einschnitt im Programm ergab sich zur Wochenmitte, als aufgrund einer Unwetterwarnung der Schulbesuch und geplante Präsentationen entfallen mussten. Stattdessen verbrachten die Schülerinnen und Schüler zusätzliche Zeit in ihren Gastfamilien, was den interkulturellen Austausch noch einmal vertiefte. Viele nutzten diese Gelegenheit auch, um informell über Geschichte, Politik und das Leben in Spanien zu sprechen und so ihre Rechercheperspektiven zu erweitern.

In den weiteren Tagen setzte sich die Gruppe intensiv mit der Frage auseinander, welche Bedeutung die Erfahrungen von Diktatur und Krieg heute für Demokratie und Menschenrechte in Spanien haben. Dabei wurde deutlich, dass diese Themen durchaus im schulischen Kontext behandelt werden, jedoch häufig weniger präsent sind als in anderen europäischen Ländern. Besonders im Austausch mit den spanischen Schülerinnen und Schülern zeigte sich, dass Erinnerungskultur stark von individuellen Interessen und schulischen Schwerpunkten abhängt.

Am Ende der Woche stand neben vielen neuen Erkenntnissen vor allem die persönliche Erfahrung im Vordergrund. Die Kombination aus eigenständiger Recherche, direkter Begegnung und gemeinsamer Reflexion wurde von den Teilnehmenden als besonders wertvoll wahrgenommen. Die Mobilität, die Begegnungen und die inhaltliche Arbeit griffen dabei ineinander und machten den Austausch zu einer nachhaltigen Lernerfahrung, die von vielen klar weiterempfohlen wird.

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