Im Musikunterricht hatten wir am 20.4. Besuch von zwei Zeitzeugen, die uns im Kontext unseres Projekts zur Nazistele am Pinneberg Bahnhof von ihrer Kindheit und ihren Erfahrungen aus der Zeit nach dem Nationalsozialismus berichteten. Einer Zeit, deren Spuren bis heute sichtbar sind, zum Beispiel in den Denkmälern.

Ich spreche sicher nicht nur für mich, sondern für meine ganze Klasse, wenn ich sage, dass diese Begegnung mit Herrn Rolf Schlutz-Süchting und Herrn Wolfgang Deppe-Schwittay nicht nur sehr emotional, sondern auch unglaublich lehrreich war. Wir haben erfahren, wie der Krieg damals dargestellt wurde, wie stark Propaganda wirkte und wie junge Menschen gezielt angesprochen und beeinflusst wurden. Ein großes Thema war auch die Musterung, damals wie heute. Viele aus meiner Klasse möchten zur Musterung, andere müssen, so wie auch mein Bruder. Gerade deshalb habe ich gemerkt, wie viele Parallelen es zwischen damals und heute gibt. Auch heute erleben wir Zeiten, in denen Angst, Unsicherheit und Hass wachsen. Gefühle, die Menschen anfällig dafür machen, einfache Erklärungen und Verherrlichungen zu glauben.

Eine zentrale Botschaft, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war, sich immer zu fragen, wofür man eigentlich kämpft. Krieg ist nichts, das man romantisieren kann oder sollte. Die Vorstellung von Kameradschaft mag verlockend erscheinen, doch die Realität ist eine ganz andere. Ich könnte das, was die Zeitzeuginnen darüber erzählt haben, selbst nicht besser wiedergeben.

Solche Begegnungen mit Zeitzeugen sind unglaublich wertvoll, weil sie Unterrichtsinhalte viel greifbarer und persönlicher machen. Dinge, die man sonst nur liest oder hört, bekommen plötzlich ein Gesicht und eine Geschichte. Ich weiß, dass man vieles aus dem Unterricht mit der Zeit vergisst, aber ich bin mir sicher, dass diese Begegnung einigen noch lange begleiten wird.

Lenda Al-Kahtani Efg