Romeo and Julia

Es ist ein offener Anfang gefolgt von einem offenen Ende. Denn in „&Julia“ wird dem Publikum ein alternatives Ende zum Klassiker Romeo und Julia geboten, ein Ende, bei dem Julia nicht sterben muss und ihr Leben weiterlebt. Doch wer jetzt erwartet, dass es öde und träge weiter geht, der täuscht sich. Das Musical lebt von Hits der 2000er und inspirierenden Szenen, Szenen, in denen vermittelt wird, dass so wie man ist, ist man schon richtig.
William Shakespeare und seine Frau Anne Hathaway schreiben gemeinsam das alternative Ende über das gesamte Stück hinweg, das Geschehen wird hin und wieder unterbrochen um auch ihre Differenzen während des Schreibens zu zeigen. Denn immerhin kommen sie aus einem anderen Jahrhundert, ein Jahrhundert, in dem Frauen lange noch nicht gleichstanden und als nicht so belehrt galten wie ihre Ehemänner.
„&Julia“ setzt einem klaren Kontrast dazu, denn Julias Leben ist nicht vorbei als Romeo, ihr erster Freund, stirbt. Julia bekommt eine „Besti“, es gibt eine non-binäre Figur und vieles mehr. Das Stück lebt von Themen wie „Female Empowerment“ und „Coming of Age“ sowie dem Humor der Charaktere, welcher das Publikum immer wieder zum Lachen bringt.
Der Konflikt lebt kurz vor der Pause auf, denn aus Trotz entscheidet Shakespeare sich dazu, Romeo genauso weiterleben zu lassen. Doch mit einigen Schlenkern geht Julia ihren Weg weiter und lernt auf sich und ihr Herz aufzupassen.
Das, was das Musical, zumindest für mich, so nahbar macht, ist die Möglichkeit sich mit den Charakteren zu identifizieren. Denn Julia und ihr*e Besti May tragen die Handschrift der Gen Z, zwei Jugendliche, die zwar noch viel lernen müssen, doch tief in sich wissen, wer sie sind. Doch das heißt lange noch nicht, dass das Musical nur für junge Menschen geeignet ist, denn es ist für alle etwas zu Lachen und zu lernen dabei. Ich fand es wirklich schön zu beobachten, wie die verschiedenen Generationen zusammenfinden – unsere Reihe voll mit Teenagern, zwei Reihen vor uns Menschen ungefähr Mitte 20 und hinter uns Best Ager.
Denn am Ende des Tages ist die Message deutlich. Alle lieben, wen sie wollen und nochmal von vorne anzufangen ist manchmal die beste Lösung. Das Stück zeigt den Weg zu Selbstvertrauen und setzt ein soziales Statement der Selbstbestimmung und Akzeptanz, und diese Werte haben nun wirklich noch niemanden geschadet.
Für mich ist klar, ich bin immer gerne wieder dabei, wenn es heißt: „Vorhang auf für „&Julia“!“


Emma Witt, 10fM (WPU Kultur)